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hessen-heidegger
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Beitrag von hessen-heidegger »

HellBoy hat geschrieben:...schlicht deshalb weil das nur ein Wort ist...
Humanismus nur ein Wort? Sie haben wohl nicht meine Abhandlung "Über den Humanismus" von 1947 gelesen, in der ich ebendiesen Humanismus als den Hauptübeltäter entlarve.
HellBoy hat geschrieben:Ist das "Böse" nicht vielmehr ein menschliches normatives Konstrukt?
sind die menschlichen normativen Konstrukte nicht eher nur eine Antwort auf das Böse?
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hessen-heidegger
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Beitrag von hessen-heidegger »

hessen-heidegger hat geschrieben:mit "das Böse" meine ich natürlich die Divergenz zwischen Subjekt und Objekt.
8O oops, das muss natürlich heissen: das Böse ist die Folge der Divergenz zwischen Subjekt und Objekt. Wie peinlich :oops:, gut dass niemand was gemerkt hat, ich tu am besten so, als ob nichts wäre.

Andrerseits: wenn diese Divergenz für das Böse verantwortlich ist, ist sie dann nicht selbst ein kleines bisschen böse?
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HellBoy
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Beitrag von HellBoy »

hessen-heidegger hat geschrieben: Humanismus nur ein Wort? Sie haben wohl nicht meine Abhandlung "Über den Humanismus" von 1947 gelesen, in der ich ebendiesen Humanismus als den Hauptübeltäter entlarve.
Und sie haben meinen Post nicht richtig gelesen. Ich argumentierte hier von der Rezipienten-Ebene, und gelangte zu der Schlussfolgerung, dass "Humanismus" halt einfacher zu verstehen ist als der Satz:...na lesen sie doch mal oben nach.
Kann sein, kann auch nicht sein.
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Feldsalat
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Beitrag von Feldsalat »

hessen-heidegger hat geschrieben: sind die menschlichen normativen Konstrukte nicht eher nur eine Antwort auf das Böse?
Oder auch:
Sind nicht normative Antworten böse Konstrukte?
Sind nicht normative Konstrukte böse Antworten?

?

Fs.

2 Semester Heidegger reichen durchaus...
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hessen-heidegger
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Beitrag von hessen-heidegger »

HellBoy hat geschrieben:Und sie haben meinen Post nicht richtig gelesen.
ich lese jede Post sehr genau, ich habe Sie natürlich absichtlich "missverstanden".

Was sagen Sie zu meinem Einwand, dass das Böse keineswegs ein normatives Konstrukt ist, sondern die Menschen eher ihre normativen Konstrukte eben wegen des Bösen brauchen?
Feldsalat hat geschrieben:Sind nicht normative Konstrukte böse Antworten?
manchmal, meistens aber gute
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HellBoy
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Beitrag von HellBoy »

hessen-heidegger hat geschrieben: Was sagen Sie zu meinem Einwand, dass das Böse keineswegs ein normatives Konstrukt ist, sondern die Menschen eher ihre normativen Konstrukte eben wegen des Bösen brauchen?
Nun, m.E. nach würde man damit soviel Böses in der Welt annehmen(schliesslich besteht ja fast das ganze menschlichew Zusammenleben aus Konstrukten), dass man in diese gnostischen Richtung passt, die die gesamte Welt als böse betrachtet (Stichwort: Demiurg). Muss nochmal in meinem Philo-Duden nachschlagen wer da die federführenden Protagonisten waren.
Oder aber Hobbes: "Jeder Mensch des anderen Wolf" und der Konstruktivismus ist dann der Leviathan.
Allerdings bräuchte man zur näheren Bestimmung eine klarere Definition von dem "Bösen". Vielleicht so (frei nach Kant): Eine Geschehen ist umso böser umso mehr Schaden, der/die Betroffene nimmt [und umso weniger Nutzen der Verursacher daraus zieht].
Kann sein, kann auch nicht sein.
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hessen-heidegger
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Beitrag von hessen-heidegger »

also ich finde nicht, dass a) das menschliche Zusammenleben fast auschliesslich aus normativen Konstrukten besteht (vor allem nicht in der freien Welt) und b) das Böse so übermächtig ist. Allerdings bricht es immer wieder aus, wenn ma es schon geschlagen gedacht hat, siehe Talibans; warum? Hört es irgendwann auf oder wird es immer so weiter gehen?
HellBoy hat geschrieben:...dass man in diese gnostischen Richtung passt, die die gesamte Welt als böse betrachtet (Stichwort: Demiurg).
Gnostizismus, Demirurg, Welt böse? Ich glaube, da verwechseln Sie was.
HellBoy hat geschrieben:Allerdings bräuchte man zur näheren Bestimmung eine klarere Definition von dem "Bösen". Vielleicht so (frei nach Kant): Eine Geschehen ist umso böser umso mehr Schaden, der/die Betroffene nimmt [und umso weniger Nutzen der Verursacher daraus zieht].
da finde ich die Hegelsche Divergenz schöner.
Adorno
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Beitrag von Adorno »

Aber meine Herren, ich muß doch sehr bitten!

Gnostizismus, Humanismus, Martins nazistisches Gewäsch - Schwamm drüber!

Und ran an die Kernfrage:

WAS IST DER MENSCH?

Der kluge Fichte antwortet: "Ein Seyendes, aber aus dem Nicht-Seyenden." Wenn dann aber die Taliban die Nicht-Seienden, besser Nicht-Sein-Dürfenden darstellten, so vollzögen sie ja in ihrem Emanzipationsstreben gegen den Westen nur das leidige principium individuationis! Terrorismus als Menschwerdung sozusagen. Vgl 68er und den steinwerfenden Jockelfischer, der mittlerweile der Menschenähnlichkeit schon recht nahe kommt. Anzug etc. Wer ist dabei?
Zuletzt geändert von Adorno am 4. Jul 2002, 12:46, insgesamt 1-mal geändert.
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hessen-heidegger
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Beitrag von hessen-heidegger »

Adorno hat geschrieben:WAS IST DER MENSCH?
Hat diese Frage nicht schon der letzte Dichterbote vor einer langen, langen Nacht, Durs Grünbein, beantwortet?
der wandelnde Abtritt, ein transzendenter Abort, die Kloake von Verwesung und Bedeutung usw., usf.
Adorno
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Beitrag von Adorno »

Der Hegelsche Divergenzbegriff und Grünbeins Pfuschgedichte - entwickeln Sie das mal bitte synthetisch-induktiv, ich bin sehr gespannt. Ansonsten habe ich natürlich keine Ahnung, wovon Sie eigentlich reden.

Stets der Ihre,

Adorno
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HellBoy
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Beitrag von HellBoy »

hessen-heidegger hat geschrieben:Gnostizismus, Demirurg, Welt böse? Ich glaube, da verwechseln Sie was.
NeeNee, Das is schon korrekt! Auf der Suche nach einer Erklärung für das "Böse", kamen die Gnostiker auf die Idee, dass es sozusagen zwei Gotts gibt. Den Erlöser-Gott, der in der Kirche verehrt wird und dem neutestamentarische Züge zugeschrieben werden; Und den Schöpfer-Gott, der die Welt erschaffen hat und anscheinend deutlich schlechter auf die Menschheit zu sprechen war als ersterer. Diesem werden eher alttestamentarische Züge zugeschrieben (Rache und Plagen und so) und er wird Demiurg genannt. :twisted:

Und wer ist eigentlich dieser Hegel Divergenz?
Kann sein, kann auch nicht sein.
Man weiss es nicht.
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hessen-heidegger
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Beitrag von hessen-heidegger »

Adorno hat geschrieben:Der Hegelsche Divergenzbegriff und Grünbeins Pfuschgedichte - entwickeln Sie das mal bitte synthetisch-induktiv, ich bin sehr gespannt.
ich lasse mal Grünbein beiseite und konzentriere mich auf die Divergenz:
der Begriff der Divergenz zwischen subjektiver und objektiver Vernunft bei Hegel bestreitet einerseits die Möglichkeit rein passiven Aufnehmens des Vorhandenen wie andererseits eine vollkommen freie Konstruktion, eine Dialektik des äußeres Tun eines subjektiven Denkens. Das fragliche Sein dieser Dialektik kann offenbar nicht den Charakter des besorgenden Aus-seins auf seine Verwirklichung haben, sondern eine Seinsmöglichkeit des Daseins als ein mögliches Zuhandenes oder Vorhandenes. Sodann aber müßte das Besorgen der Verwirklichung dieses Möglichen eine Herbeiführung der charakterisierenden Möglichkeit als solche bedeuten. Damit entzöge sich aber das Dasein gerade den Boden für ein existierendes Sein: dies führt, wenn alle objektiven Reflexions- und Abbildungsmöglichkeiten für eine Tradition der notwendigen Erlebniskategorien nur noch nihilistisch sich selbst in materialer Substanz ihrer geschichtlichen Subjekte symbolisch in die tote Materie projizierend und metaphysische Bedeutung der bisherigen Erlebnissituation als Projektionen der Subjektivität in die physische Existenz derselben erlebt werden und nur noch den aktiven Reflexionscharakter ihrer Subjektivität auf die Wirklichkeit abbilden, zu einer zweiwertigen Existenzebene, die den eigenen Konkretionsprozess aus dieser ontologischen Umklammerung nicht zu lösen vermag.
HellBoy hat geschrieben:...und er wird Demiurg genannt.
das ist doch ein bisschen abenteuerlich.
Der Demiurg ist ein Gott, der aus schon Seiendem (Urchaos oder ähnliches) die Welt schafft, im Gegensatz zu dem aus dem Nichts Seiendes schaffenden Gott; mit gut oder böse hat das nichts zu tun.
Robert Mugabe
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Beitrag von Robert Mugabe »

hessen-heidegger hat geschrieben:Der Demiurg ist ein Gott, der aus schon Seiendem (Urchaos oder ähnliches) die Welt schafft, im Gegensatz zu dem aus dem Nichts Seiendes schaffenden Gott; mit gut oder böse hat das nichts zu tun.
Je nun. Es kommt sehr darauf an, von welchem Gnostizismus wir sprechen.
<i>"Daß der Demiurg mit dem Gott des Alten Testaments gleichgesetzt wird, ist für die westliche Gnosis, soweit sie die Schöpfung überhaupt erwähnt, charakteristisch. Denn der Schöpfer dieser Welt ist ja für den Gnostiker nicht der höchste Gott; sein oft zitiertes Wort aus Jes. 45,5, «Ich bin Gott und außer mir ist kein anderer», wird als Ausdruck seiner Überheblichkeit und Unkenntnis des wirklichen, über allem Erfassen stehenden Gottes aufgefaßt."</i>
Schreibt Werner Förster in seiner Einleitung zu: Die Gnosis / Erster Band: Zeugnisse der Kirchenväter, Zürich 1969 (S.20).
Und als Lehre des Gnostikers Satorninus wird immerhin überliefert (Irenäus, <i>Adv.haer.</i> I 24,2), <i>"daß Christus zur Vernichtung des Gottes der Juden gekommen sei (...) In diesem Zusammenhang ist übrigens auch Marcion zu erwähnen, der von einem früheren Gnostiker, von dem wir nicht viel mehr als den Namen kennen (Kerdon), die Anschauung übernommen haben soll, der Gott des jüdischen Gesetzes und der Propheten sei der Urheber des Bösen in der Welt. In Jesus Christus aber habe sich ein anderer, zuvor unbekannter Gott offenbart."</i> (Hans G. Kippenberg, Die vorderasiatischen Erlösungsreligionen, Frankfurt/M. 1991 [S.378f.]). Einerseits.
Andererseits ist es wiederum die Frage, ob man z.B. die Marcioniten überhaupt als Gnostiker bezeichnen darf. K. Rudolph etwa meint: eher nein (K. Rudolph, Die Gnosis, Wesen und Geschichte einer spätantiken Religion, Leipzig 1980, S. 337-342).
Es kommt also darauf an, ob man die Definition der Gnosis eher weiter faßt (wie Herr HellBoy) oder eher enger (wie Herr Hessen-Heidegger).
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hessen-heidegger
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Beitrag von hessen-heidegger »

Ich meinte eigentlich Platons Demiurg. Die Gnostiker haben dann Platon wohl irgendwie missverstanden.
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L. vom Hocker
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Beitrag von L. vom Hocker »

Robert Mugabe hat geschrieben:Je nun...
<i>"Daß der Demiurg mit dem Gott des Alten Testaments gleichgesetzt wird, ist für die westliche Gnosis, soweit sie die Schöpfung überhaupt erwähnt, charakteristisch. Denn der Schöpfer dieser Welt ist ja für den Gnostiker nicht der höchste Gott; sein oft zitiertes Wort aus Jes. 45,5, «Ich bin Gott und außer mir ist kein anderer», wird als Ausdruck seiner Überheblichkeit und Unkenntnis des wirklichen, über allem Erfassen stehenden Gottes aufgefaßt."</i>
Schreibt Werner Förster...
Wer zum Teufel ist Wolfgang Fürstner?
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