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HellBoy
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Beitrag von HellBoy »

Ist es nicht eher so: Konsequente Euthanasie würde langfristig zur sog. "Überzüchtung" (wird bei Hunden so genannt,z.B. lahmende Dackel oder blinde Dalmatiner , gibts da ein Begriff für beim Menschen?) führen, würde also längerfristig zu mehr anstatt weniger Hasenscharten führen.
(oh mann, zwei mal "führen" am Satzende, aber mir fällt gerade nichts besseres ein, vielleicht kommt später noch ein Bild für "Saftpresse" hinzu.

...Und ein Absatz)

Die Qualität eines Genpools liegt in seiner Heterogenität. Wurde mir jedenfalls mal so erklärt ist aber bestimmt komplizierter :roll:
Kann sein, kann auch nicht sein.
Man weiss es nicht.
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Saftpresse
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Beitrag von Saftpresse »

Ich hab's schon gelesen. Kapiert nicht so richtig und auch schon wieder vergessen - aber gelesen hab' ich's!!! :)
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hessen-gespalten
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Beitrag von hessen-gespalten »

HellBoy hat geschrieben:(oh mann, zwei mal "führen" am Satzende, aber mir fällt gerade nichts besseres ein)

:!: wieso lassen Sie nicht einfach ein "führen" weg? etwa so:
Konsequente Euthanasie würde langfristig zur sog. "Überzüchtung" (...), längerfristig also zu mehr anstatt weniger Hasenscharten führen.

HellBoy hat geschrieben: Die Qualität eines Genpools liegt in seiner Heterogenität.
das stimmt schon. Nur relativ einfache Eigenschaften, wie z.B. Grösse oder Haarfarbe lassen sich problemlos durch Züchtung steuern. Ob Hassenscharten dazu gehören? ich könnts mir schon vorstellen
Adorno
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Beitrag von Adorno »

Sorry, hier muß der Bio-LKler wiedersprechen:
keine genetischen Merkmale sind so komplex gesteuert und schwer zu analysieren wie Größe, Haar- und Augenfarbe, Links- u. Rechtshändigkeit. Man nennt diese Merkmale polygen; d.h. sie entstehen nicht durch eine einzelne, von einem spezifischen DNS-Strang replizierte Proteinsequenz, sondern sind das Zusammenspiel unbegreiflich vieler Einzelfaktoren. Deshalb hat auch die Entschlüsselung des Genoms so wenig Konseuqenzen auf die Zahl der Entdeckungen in der Gentechnologie gehabt. Erst wenn das Proteosom, d.h. das Netzwerk der Wechselverhältnisse aller Proteine und ihrer codierenden Gene entschlüsselt ist, wird man solche Eigenschaften technisch beeinflussen können. Gegen diese Mammutaufgabe ist die Auflistung des Genoms geradezu lachhaft einfach. Man stelle sich vor, man müsse das ganze Genom (500.000 Gene? bin mir nicht mehr sicher...) mit sich potenzieren: (5x10^5) ^ (5x10^5). Eine Menge Holz...

Grüße,

ThWA
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hessen-wohin
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Beitrag von hessen-wohin »

wie der Zufall es so will hatte ich natürlich auch Bio-LK:
lieber Adorno, vielleicht ist Ihnen entgangen, dass es in den oberen Beiträgen nicht um Genmanipulation sondern um Züchtung bzw. "konsequente Euthanasie" ging. Nun, wie jeder sehen kann, ist es für Hundezüchter relativ einfach, sehr kleine oder sehr grosse Hunde zu züchten, mit Hassenscharten würde es vielleicht auch klappen.
Adorno hat geschrieben:keine genetischen Merkmale sind so komplex gesteuert und schwer zu analysieren wie Größe, Haar- und Augenfarbe, Links- u. Rechtshändigkeit.
nana, das stimmt so wohl nicht

Adorno hat geschrieben: das Zusammenspiel unbegreiflich vieler Einzelfaktoren.
*lol* ahhh, schön!
Adorno hat geschrieben: das Proteosom
??? was soll das wieder sein? noch nie von gehört. Wo haben Sie diesen Begriff her, aus Bio-LK?


Adorno hat geschrieben: (5x10^5) ^ (5x10^5). Eine Menge Holz...
was soll diese Potenzierung, diese Zahlen sagen doch nichts über das Zusammenspiel der Proteine aus


P.S Saftpresse hatte schon recht, Diskursethik-weekly ist wirklich ein Strang für Klugscheisser. :D
Adorno
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Beitrag von Adorno »

Gegen eine gepflegte Klugscheißerei ist überhaupt nichts einzuwenden. Sinn und Zweck meiner Existenz ist nichts anderes.

In Anbetracht der schmerzhaften Radikaldekonstruktion durch Hessen frage ich mich, ob meine wissenschaftliche Autorität denn nun gänzlich untergraben ist. Ich will auf die Gnade der Geschichtsschreiber hoffen...

Trotzdem möchte ich in einigen Punkten auf meinem Standpunkt beharren, selbst wenn ich eigentlich am Thema vorbeigeschrieben habe. So will es mein Altersstarrsinn.

1.) Das Proteosom gibt es wirklich. Wird z.Zt. am MIT oder so gerade aus der Traufe gehoben (man liest Spektrum der Wissenschaft).

2.) Größe, Haar- und Augenfarbe, Links- u. Rechtshändigkeit: doch, doch, doch! Schwer zu steuern, gibt kein Gen für! Basta!

3.) "Das Zusammenspiel unbegreiflich vieler Einzelfaktoren": richtiger muß es heißen: "der Myriaden Einzelheiten geschwätzig funkelndes Lichtermeer, das von Menschenaug' zur Gänze niemals überschauet ward". Hoffentlich wird es jetzt deutlicher.


Mit Gen-Ethiker-Gruß

ThWA
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hessen-wohin
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Beitrag von hessen-wohin »

Adorno hat geschrieben:Gegen eine gepflegte Klugscheißerei ist überhaupt nichts einzuwenden. Sinn und Zweck meiner Existenz ist nichts anderes.
Mein Wort. Mir macht es auch grossen Spass, ich weiss nicht, warum andere dem Klugscheissen so kritisch gegenüberstehen.
Adorno hat geschrieben: 1.) Das Proteosom gibt es wirklich. Wird z.Zt. am MIT oder so gerade aus der Traufe gehoben (man liest Spektrum der Wissenschaft).
Laut Google ist Proteosom nur ein Protein, möglicherweise ist das aber nicht der neuste Stand der Forschung
Adorno hat geschrieben: 3.) "Das Zusammenspiel unbegreiflich vieler Einzelfaktoren": richtiger muß es heißen: "der Myriaden Einzelheiten geschwätzig funkelndes Lichtermeer, das von Menschenaug' zur Gänze niemals überschauet ward". Hoffentlich wird es jetzt deutlicher.
schön, endlich blicken Sie hinter die öden Fakten :D
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Saftpresse
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Beitrag von Saftpresse »

>seufz<
Adorno
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Beitrag von Adorno »

Ich möchte die Anregung Saftpresses aufnehmen und endlich wieder zu unserem Zentalthema zurückkommen. Diskurs, Diskurs, Diskurs!
Ich will mal wieder den Anfang machen und Sloterdijk in die Runde werfen. Hui, da fliegt der zottige Nietzscheaner...!
Was ist denn von diesen gottverdammten "Regeln für den Menschenpark" zu halten? Und ist der Schrieb irgendwie mit Fukuyamas "Ende des Menschen" in Beziehung zu setzen? ODer umgekehrt? Weiß ich ja nicht!
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hessen-heidegger
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Beitrag von hessen-heidegger »

also Sloterdijk bringt mich immer zum lachen, allein der Name, und dann diese Frisur.
Fikuyamas These aus "Ende des Menschen" kann man m.E. vorallem dank bin Laden & Co als widerlegt ansehen. Dabei stellt sich natürlich die Frage: steht der islamische Fundamentalismus in der faschistisch-kommunistischer Tradition? Ich finde ja: ein typischer pawlowscher Reflex der Finsternis auf die Errungenschaften der freien Welt.

Spassvogel Sloterdijk meint übrigens, Terrorismus und Gentechnik seien "unterirdisch verknüpft". Vielleicht lässt sich daraus irgendeine unterirdische Beziehung zwischen Sloterdijk und Fukuyama herstellen.
Feldsalat
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Beitrag von Feldsalat »

hessen-heidegger hat geschrieben:also Sloterdijk bringt mich immer zum lachen, allein der Name, und dann diese Frisur. ...
... und die Titel:
Sphären I: Blasen
Sphären II: Globen

...

Gruß.
Fs.

P.S. Im Übrigen, finde ich, sind Filosofen im Phernsehen echt das Letzte.
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hessen-heidegger
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Beitrag von hessen-heidegger »

Feldsalat hat geschrieben:... und die Titel:
Sphären I: Blasen
Sphären II: Globen

...
:?: wie wird wohl das nächste Sphärenbuch heissen?

vielleicht als kleine Anregung: Sloterdijk verortet Psychosphären, interpersonale Blasen, duale Räume, interfaziale Begegnungen. Nur im Verständnis der komplexen Äquilibristik unserer frühesten Raumbeziehungen werden unsere späteren Seelenlandschaften und heillosen Sümpfe nachvollziehbar.
Adorno
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Beitrag von Adorno »

Sphären III: Bälle
Sphären IV: Kugeln
Sphären V: Monstertitten

Nicht zu vergessen das epochale Alterswerk

Sphären 2.0 - Collector's Edition Premium. Mit einer DVD, in der "Slotti" (Habermas) Stellung nimmt zu brennenden Fragen wie: Warum ich so weise bin - Warum ich so gute Bücher schreibe - Warum ich ein Schicksal bin. Wer beim Kauf außerdem einen Ariernachweis vorzeigen kann, bekommt vom Geschäftsführer gratis die Sphären poliert.
Adorno
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Beitrag von Adorno »

Aber um mal wieder ernst zu werden: Hessen, Sie posten zu viele verschieden Aufgaben viel zu schnell. Ich finde das z.B. "sehr spannend'" (Seminardeutsch), wie denn Gentechnik und Terrorismus zusammenhängen sollen. Noch dazu unterirdisch. Vielleicht so:

Als Antwort der Kontingez auf die Abfallprodukte der Aufklärung hypostasiert sich Terrorismus zum "nichtenden Nichts" (Heidegger). Die Tiefenpsychologie sagt uns, daß der Selbstmörder nicht seine Person, sondern im Grunde eigentllch die als unerträglich empfundene Welt vernichten möchte. Die Konkretion dieses Wunsches erfüllt sich im Terrorismus, der die geschmähte Welt mit hoher subjektiver Gewißheit zumindest teilweise zusammen mit dem Selbstmörder vernichtet. Mit der Gentechnik ist dem Terrorismus der Kropotkinsche Wunsch nach einer "Wendung zum Besseren" gemein: Zerstörung als Neugestaltung. Die Methodik der Gentechnik ist, wie die des Terrorismus, Vernichtung auf molekularer Ebene, Forcierung des Einzelnen durch Deletion des Allgemeinen.

So etwa?
Zuletzt geändert von Adorno am 25. Jun 2002, 06:56, insgesamt 1-mal geändert.
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Beeblebrox
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Beitrag von Beeblebrox »

Oder so:

Gentechnik und Terrorismus sehen sich anfangs einmal mehr unversehens und unverhofft einer Welt im Frieden, einer ganzen Welt im immer noch möglichen Fireden, oder eben jenem "Gehege der größeren Zeit" (Handke) gegenüber.

Das Streben nach Erlösung; der kollektiven auf der einen, der persönlichen auf der anderen Seite muss der am tiefsten verbindene Gedanke beider Denkschulen sein. Grundunterschiedlich jedoch, die im Bewusstsein der Protagonisten des Terrorismus manifestierte Gewissheit, nicht zu überleben und mit dem und jenem Unbekannten, weit weg von sich oder in der Nachbarschaft, zu sterben.

In der Vernichtung, dem (un?)gedachten Holocaust, dagegen: der Terrorismus und die Gentechnik, oder die Möglichkeiten der Gentechnik, sind eins; und das kann bei der Auslöschung; dieser Weise von Auslöschung wohlgemerkt, gar nicht anders sein - Grundgesetz der Vernichtung: Töten, auf! Handeln. Tätigwerden. Und wie? Attentatsgemäß!
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